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So much confusion
When autumn comes around
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Good evening, Europe!

Ich erinnere mich nicht wirklich an den hochgelobten Film „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ von Ang Lee aus dem Jahr 2000. Irgendwelche spektakulären Schwertkampf-Szenen in chinesischen Tempeln und Wäldern: ja. Aber sonst? Worum ging's?

Sehr gut erinnere mich hingegen an eine Szene, in der die deutschen Untertitel den chinesischen Text so wiedergaben: „Der Herbst kommt. Ich schließe die Fenster.“

Genauso ging es mir in den vergangenen Tagen: Nach Monaten, in denen die Fenster unserer Wohnung eigentlich durchgehend auf Kipp standen, sind sie nun erstmals wieder geschlossen. Ein Alptraum für alle Virologen, aber ich hatte halt auch mal wieder völlig vergessen, dass der Herbst nicht nur aus meinem Geburtstag, bunten Blättern und gesammelten Kastanien besteht, sondern auch aus Regen, Kälte und Dunkelheit. Kurzum: Ich hasse ihn!

Ich weiß, dass die letzten Jahre alle viel zu trocken waren, aber kann man Regen nicht wie wichtige Arbeiten an Autobahnzufahrten, Webservern und U-Bahn-Tunnels in die Nacht verlegen? Das Schlimmste aber: kalte Füße! Ich hatte - natürlich, denn negative Erinnerungen vergesse ich seit jeher schneller als Helmut Kohl die Namen von anonymen Spendern - nicht mehr auf dem Zettel, dass es Zeiten gibt, in denen man in der Wohnung so etwas wie Socken anzieht, noch dazu dicke, weil es sonst echt ungemütlich wird. Es waren also ein paar aufregende Tage.
 



Geschlossen habe ich auch die allermeisten Fenster in meinem Browser. Oder hättet Ihr wirklich noch mal von mir mittels Links erzählt bekommen wollen, dass Donald Trump ein bösartiger Vollidiot, die AfD ein rechtsextremer Haufen und Menschen, die keine Masken tragen wollen, egoistisch sind? Eben!

Dann machen wir es doch lieber auf der Couch gemütlich und gucken raus auf die nassen grünen Blätter vor dem grauen Himmel. Ein bisschen froh bin ich ja auch, dass meine fear of missing out, die mich vorletzte Woche noch dazu gezwungen hat, jede sonnige Minute draußen zu verbringen (denn es könnte ja die letzte sein dieses Jahr!), jetzt langsam wieder heruntergefahren wird und ich bei Kakao und Lebkuchen einfach fernsehen, lesen und Musik hören kann. Rausgehen ist für den Rest von 2020 jetzt natürlich eh abgesagt, da erscheint ein Winterschlaf plötzlich noch einladender als sonst schon.
 



Die Kolumnen von Margarete Stokowski bei Ich-nenne-es-immer-noch-„Spiegel Online“ könnte ich eigentlich eh jede Woche ungelesen empfehlen. Besser sind sie natürlich gelesen, zum Beispiel in der letzten Woche über etwas, das Margarete nicht „Altherrenwitze“ nennen möchte, weil „Volljährige-Jungs-Pointenversuch“ viel treffender sei. Binnen einer einzigen Woche hatten sich verschiedene Vertreter (gendern hier wieder unnötig, weil, natürlich: Männer) aus Politik und Unterhaltung lustvoll in die Grütze geworfen und sich hinterher darüber gewundert, dass viele Menschen das gar nicht so lustig fanden.

Ebenfalls nicht lustig: Sketche und Filme, die mit rassistischen und homophoben Stereotypen spielen. Und davon gibt es gerade in der deutschen Humor-Geschichte viele, viele Beispiele. Philipp Walulis hat für die erste Ausgabe seiner Sendung „Walulis Woche“ Klassiker herausgekramt, die den test of time eher nicht bestehen, und dazu Statements der entsprechenden Comedians eingeholt. (Immerhin: Es gibt durchaus Menschen, die in Deutschland mit Humor ihr Geld verdienen, und trotzdem im 21. Jahrhundert angekommen sind.)

Zum Thema Humor ist auch der Text, den der Comedy-Autor Stefan Stuckmann bei Übermedien über den „Deutschen Comedypreis“ im Speziellen, aber auch Comedy in Deutschland im Allgemeinen geschrieben hat.
 



„Früher war Lametta!“ ist das augenzwinkernde „früher war alles besser“ der Leute mit Loriot-Leistungskurs, aber auch der Titel einer Podcast-Reihe, die sich Radio Bremen zum 75. Geburtstag geschenkt hat. In der ersten Folge darf Hape Kerkeling, der natürlich einigermaßen über alle Zweifel erhaben ist, noch mal erzählen, wie das damals war, als er sich als Königin Beatrix verkleidet hatte (ich bilde mir ein, die Erstausstrahlung der „Total Normal“-Ausgabe damals mit meinen Eltern gesehen zu haben), aber auch, wie die Sendung damals überhaupt entstanden ist. Kerkeling ist natürlich immer noch ein begnadeter Erzähler, aber auch ein so charmanter und bescheidener, dabei auch selbstbewusster, Gesprächspartner, dass ich diesen Podcast sehr genossen habe.
 


Vor viereinhalb Jahren hatte ich im Blog schon einmal versucht, endgültig zu klären, was eigentlich komisch ist (der Kontext zu diesem ansonsten etwas rätselhaften Eintrag war Jan Böhmermanns Erdoğan-Gedicht). Jetzt sprechen Sue Reindke und ich in der neuen Folge von „Bist Du noch wach?“ darüber, was uns zum Lachen bringt. Ich verrate in diesem Zusammenhang den lustigsten Witz der Welt und einen weiteren, der auch nicht schlecht ist — womit ich dann alle Witze ohne Helmut Kohl, die ich kenne, erzählt habe. Außerdem suchen wir Tipps, wie ich zunehmen kann. Zu hören wie immer ungefähr überall hören, wo es Podcasts gibt:


Was macht der Garten? Wir waren so stolz auf unseren ersten eigenen Kohlrabi: Über Monate war er gewachsen, wir hatten ihn von Läusen befreit und immer gut gehegt! Als wir ihn dann endlich geerntet (wir brauchten dazu ein Sägemesser, was mich hätte stutzig machen können), geschält und angeschnitten hatten, probierten wie voller Vorfreude die ersten Stücke. Wortlos kauten wir sehr, sehr lange darauf rum, dann sahen das Kind und ich uns an und sagten: „Schmeckt irgendwie bitter ...“ Nun ja: Das Kind will jetzt Buchstabenstempel daraus schnitzen, denn wegwerfen kann man so einen selbstgezogenen Kohlrabi natürlich nicht.

Was hast Du gehört? Als klar war, dass ich dieses Jahr zum ersten Mal seit 1983 meinen Geburtstag nicht groß feiern würde, war ich auch ein bisschen froh: Mal nicht zwei Tage in der Küche stehen, nicht zum Getränkemarkt fahren (und hinterher wieder ganz viel übrig haben), nicht die ganze Wohnung auf links drehen und die Klappstühle aus dem Keller holen müssen. Aber eben auch: kein Besuch, keine Geschenke, keine Party-Playlist.

Und das kann nicht sein! Also jetzt: mein Geschenk für Euch — die Spotify-Playlist für die Party, die nicht war! Alt und neu, Hits und Geheim-Hits, einmal quer durch CD-Regal, Playlisten und meinen wüsten Musikgeschmack. Ihr könnt es „auf Shuffle“ hören oder Ihr folgt der komplexen und strengen Dramaturgie, die das echte Party-Feeling nacherzählt: Von „eine Stunde alleine auf die Leute warten“, über „Hintergrundrauschen bei Kartoffelsuppe und Nudelsalat“ bis hin zu „Arm in Arm auf dem Balkon in die Nacht grölen“ — hier ist alles dabei!

Ihr müsst das natürlich nicht alles hören, aber ich halte jetzt so lange die Luft an, bis Ihr zumindest alle „Never Gonna Get It“, den neuesten Song von Darren Jessee gehört habt!

Was hast Du gesehen? „Black Panther“ hatte ich eigentlich schon im Kino sehen wollen. Und als wir Disney+ bekommen haben. Und als Hauptdarsteller Chadwick Boseman vor einem Monat an Krebs gestorben ist. Jetzt habe ich es endlich geschafft und war wirklich beeindruckt: Das world building ist sensationell, die Tonalität genau richtig und wie krass es ist, wenn weiße Figuren mal wirklich eher am Rande vorkommen! Also: mir hat's gefallen — aber muss ich die anderen 98 Filme aus dem Marvel Cinematic Universe jetzt auch noch gucken?

Was hast Du gelernt? Installiere wirklich niemals neue Apple-Softwareversionen (vgl. Newsletter Nr. 25, 27 und 36)!
Lasst mich!
Habt eine schöne Rest-Woche & stay positive, Euer Lukas

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